aboutus

flat1 ist ein Kunstraum in Wien, der wechselnde, thematische Gruppenausstellungen zeigt. Der Schwerpunkt von flat1 liegt in der Präsentation zeitgenössischer bildender Kunst. Interdisziplinäres in Richtung Musik, Film, Performances bildet ein Zusatzprogramm, das ständig erweitert wird. Ein Hauptanliegen dieses Kunstraumes ist die Förderung des Austauschs zwischen inter/nationalen KünstlerInnen und das Schaffen von Netzwerken abseits des kommerziell ausgerichteten Galerienbetriebs. Das Programm von flat1 wird von einem Team bildender Künstlerinnen gestaltet, die durch ihre kuratorische Tätigkeit das Spektrum ihres künstlerischen Tuns erweitern.

Jahresthema

2020

MORE OF THE SAME

Wiederholung - Wiederkehr - Iteration – Repetition

  thematic

background

 

 

 

Das Jahresprogramm von flat1 widmet sich dem Phänomen der Repetition,

der Wiederholung, der Kopie, der Wiederkehr. Dabei ist sich die Gesellschaft,so scheint es, im Grunde genommen einig in der Wertezuschreibung.

In einer massiv medial geprägten Scheinwirklichkeit, mit dem

permanenten Streben nach der einzigartigen Story, nach dem exklusiven

Skandal (was immer auch eine Abwertung des Täglichen, der Mühen der Ebene be-inhaltet) gilt DAS MORE OF THE SAME als langweilig und minderwertig.

Und doch ist das iterative Handeln ein zentrales menschlichen Grundprinzip,ohne dem gesellschaftliche Entwicklung nicht möglich wäre. Es istBasis genauso, wie es zum Aufbau von Perfektion dient, was jeder Musiker oder Sportler bestätigt, der in tausenden Wiederholungen Muskeln und Bewegungsapparat zu Höchstleistungen motiviert. Es ist die Basis des kognitiven Lernens, von Mathematik bis zu Linguistik. Es fixiert emotionale Bindungen, das Fundament der Gesellschaft.

Routine, die auf Wiederholungen basiert, wird demgemäß zu Unrecht als

langweilig und behindernd abqualifiziert. Richtig verstanden spielt sie

den Geist frei für andere Experimente. Sie enthebt menschliches Handeln

der Ebene permanenter Entscheidungsfindung, schaufelt Kapazitäten frei

und motiviert damit zu Produktivität in anderen Dimensionen.

Routinen werden nicht jeden Tag neu erfunden, sie basieren auf Wiederholungen.

Dadurch wird das, was im Anfang nur als zufällig und möglich

erschien, zu einem Wirklichen und Bestätigten, formuliert etwa der Philosoph Georg Friedrich Willhelm Hegel. Wir lernen, indem wir Routinen

festigen oder auch ändern. Sie können daher die Wirklichkeit täglich neu

konstruieren, die soziale wie die ökonomische oder familiäre.

Das Bestätigte und Beständige wird zum Bedrückenden und Beengenden, wenn

die Vorteile nicht mehr wahrgenommen und umgesetzt werden. Stattdessen

wird dann etwa nach Abwechslung gerufen und etwa eine nach außen langwierige, demokratiepolitische Routine aus Langeweile oder purer Provokation, um sich selbst wieder zu spüren, in Frage gestellt. In Summe ist dies bei mangelnder Reflexion auch der Nährboden für Populismus mit seinem Versprechen zu einfacheren Lösungen, wie er in einer Reihe von Staaten weltweit an die Macht gespült wurde.

Dieser durchaus Demokratie gefährdende Vorgang lässt sich in der Politik

immer wieder beobachten. Postuliert Hegel doch gar, dass sich wichtige

Vorgänge in der Geschichte immer wiederholen, inklusive ihrer Irrtümer

möchte man hinzufügen. Oder, wie Karl Marx es tat, „einmal als Farce,

und dann als Tragödie“, was durch aktuelle politische Vorgänge in Österreichs Freiheitlicher Partei, mit ihrem aus Hybris genährtem Selbstzerstörungstrieb gerade bestätigt wird. Kunst hat die Aufgabe, diesen Diskrepanzen der Wertezuschreibung nachzuspüren.

Auch das Flat1-Programm soll den unterschiedlichen Interpretationen

der Iteration auf den Grund gehen.

Das ist keine leichte Sache, ist Kunst doch selbst ambivalent, wenn es

um den Begriff der Wiederholung geht. Einmal stellt man im romantischen

Kunstbegriff des Genies den Anspruch, jederzeit einzigartige Meisterwerke

schaffen zu können, die in ihrer Singularität ewigen Ruhm begründen –

also das Gegenteil von Wiederholung. Dann wiederum führt sie zu durchaus

willkommenen stilbildenden Merkmalen, die am Kunstmarkt zu Wieder- erkennbarkeit führen sollen.

Noch andere Zuschreibungen finden sich in anderen Kulturen wie in China,

wo die Kopie als eigenständige Kunstform akzeptiert ist, sowohl aus

Sicht des Kopisten, als auch als Zeichen der Wertschätzung für das Original.

Letztlich allerdings kann sich Kunst auch auf jüngere Klassiker berufen,

wie etwa einen Andy Warhol, der mit dem Genie-belasteten Kunstbegriff

gründlich aufräumt, indem er ein Plädoyer für Langeweile hält und

den Wunsch äußert, wie eine Maschine leben zu können, immer das gleiche

zu produzieren. In der Langeweile der Wiederholung liegt für ihn Geborgenheit und Sicherheit, was in Wendezeiten wie der jetzigen ein durchaus tröstlicher Ansatz ist.

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